Nun nehmen sich aber nicht viele Regisseure einer solch heiklen Thematik an, wie man es sich eventuell wünschen würde. Umso mehr hat es mich dann überrascht, als ich zufällig von einem Film gehört habe, der von der Liebe zweier Soldaten erzählt und zudem noch in Israel produziert wurde. „Wenn sich das mal nicht vielversprechend anhört“, dachte ich mir! Und ich wurde nicht enttäuscht.
Man wird in einem angenehmen Tempo in die Handlung eingeführt. Zu Anfang sieht man mehrere Soldaten, die lachend und scherzend ein Grab auf einem schneebedecktem Berg ausheben. Erst später wird klar, wofür das Grab ausgehoben worden ist: Einige Lebensmittel sind in einem ausgefallenem Kühlschrank verdorben und sollen nun beseitigt werden. Ein paar andächtige Worte werden gesprochen und dann wird das madige Fleisch hinein geworfen in das kalte Loch.
Jagger ist ein attraktiver, junger Soldat, der gut mit seinen Kameraden auskommt. Zu Anfang wird er von seinem ernsten, wortkargen Vorgesetzten Yossi mit auf Streife genommen. Als sie einen Abhang hinuntergehen fangen sie an sich mit Schneebällen zu bewerfen und schnell liegen beide auf dem Boden. „Gott, wie kitschig!“, möchte man dabei zuerst denken. Doch das ist der magische Moment, indem man alle seine Vorurteile (wenn man sie denn hat) über Bord wirft und nur die Liebe zwischen den beiden Männern sieht. Dann jedoch besinnt man sich wieder auf die Situation in der sich die beiden befinden und erkennt, dass dies keine normale Liebe ist und sein kann, sie können es nicht öffentlich zeigen, es ist ihr gemeinsames Geheimnis.
Unterdessen kündigt sich ein Oberstleutnant zu Besuch in der Basis an, mit zwei schönen, jungen Frauen im Schlepptau. Die beiden Frauen bilden einen Gegenpol zu der Szenerie in der Militärbasis. Eine der beiden, Yaeli, ist in Jagger verliebt und plant ihm ihre Liebe zu gestehen. Doch dies stellt sich als schwieriger dar, als gedacht, es gelingt ihr zuerst nicht Jagger in einem ruhigen Moment abzufangen und mit ihm zu reden. Doch Jagger hat keinerlei offensichtliches Interesse an ihr, Yaeli möchte dies aber nicht wahrhaben und verweigert sich der Realität.
Unterdessen gibt der Oberstleutnant bei einem gemeinsamen Essen der Soldaten bekannt, dass sie in der folgenden Nacht einen Hinterhalt legen sollen. Die Stimmung auf der Basis fällt ab, denn alle wissen, wie gefährlich so etwas sein kann.
Jagger kommt mit der Situation, nicht offen seine Gefühle Yossi gegenüber zeigen zu dürfen, nicht klar und fordert von Yossi ein Ende der Heimlichtuerei. Ein Streit bricht kurz vor ihrem gemeinsamen Einsatz aus, doch während die beiden auf der Lauer liegen, versucht Yossi sich mit Jagger wieder zu versöhnen, Jagger blockt aber ab.
Kurz bevor Yossi den Hinterhalt auslösen will explodiert eine Miene. Mehrere Soldaten werden verletzt. Der Zuschauer weiß bereits, dass dies nicht gut Enden kann, dies ist nunmal kein Film gemacht für ein Happy End. Und so kommt es auch. Jagger liegt verletzt auf dem Boden, Yossi eilt zu ihm, ein anderer Soldat ist dabei. Jagger noch bei Bewusstsein, fragt Yossi, ob er ihn liebe. Yossi, den Tränen nahe, aber immernoch um Fassung ringend, bejaht dies. Dem Soldaten, der dabei ist, wird es klar, wie die beiden zueinander stehen. „Wie in einem Hollywood Film, Yossi?“ „Ja, wie in einem Hollywood Film“ Dann stirbt Jagger.
Die nächste Szene spielt bei den Eltern von Jagger, alle Soldaten und auch Yaeli sitzen um der trauernden Mutter. Die Mutter bedauert es, ihren Sohn eigentlich nicht gekannt zu haben, sie wisse nicht einmal, welches sein Lieblingslied gewesen sei. Yossi nennt ihr Joggers Lieblingslied. Yaeli erzählt der Mutter, dass Jagger und sie ein Paar gewesen seien. Yossi sitzt daneben, er weiß es besser, aber er darf nichts sagen, ihre Liebe wird niemals öffentlich werden, es wird immer das sein, was es schon immer war: ein Geheimnis zwischen Jagger und Yossi.
Mein Urteil? Genialer Film! Der Film dauert angenehme 65 Minuten und hebt sich durch einige, surreale Kameraeinstellungen deutlich von dem filmischen Mainstream, den man sonst gewöhnt ist, ab. Das hat mir sehr gefallen. Die Musik in dem Film unterstreicht die Atmosphäre auf dem schneebedeckten Berg perfekt. Die erste israelische Filmproduktion, die ich gesehen habe und ich habe Lust auf mehr bekommen. Trotz des immer noch brisanten Themas wurde der Film, wie ich gelesen habe, auch in Israel ein großer Erfolg. Liebe lässt sich halt nicht in gesellschaftliche Normen einengen, Liebe lebt durch die Menschen und das ist auch gut so.

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