Zuerst ist es nur ein paar Zeitungen zu lesen, beinahe beiläufig wird vom Anti-Counterfeiting Trade Agreement (kurz: Acta) berichtet. Man überfliegt es schnell und bleibt dann doch hängen. „Da kommt noch was auf uns zu“ schießt es mir durch den Kopf. Und ich sollte Recht behalten. Einige Tage später macht sich diese Meldung wie ein Schauder innerhalb der Europäischen Union breit. Die europaweiten Occupy-Proteste liegen noch nicht weit zurück und immer mehr Menschen beginnen sich darauf zu besinnen, dass es sich lohnt seiner Meinung Luft zu machen, dass es sich lohnt auf die Straßen zu ziehen, denn das mediale Interesse ist ihnen sicher!
Vor ein paar Wochen wurde dann auch in Deutschland zu Protesten gegen Acta aufgerufen, nicht nur das allgemeine Interesse der Zeitungen und des Fernsehens ist hoch, das der Internetbenutzer ist es auch. Und so flackern beinahe minütlich auf meiner Facebookseite aktuelle Meldungen und Informationsvideos auf, es breitet sich wie ein Lauffeuer aus. Die Menschen wachsen in ihrem Unmut zusammen, schnell wird mir es mir klar: Ein neues, aktuelles Thema beginnt die Menschen wieder auf die Straßen zu treiben.
Da ich zur Zeit der Occupy-Proteste nicht in Europa war, wollte ich nun dies zum Anlass nehmen, um mir selbst ein Bild von der neu erstarkten Protestkultur in Deutschland und Europa zu machen. Doch ist dies wirklich eine neue Protestkultur? Regt sich nun endlich wieder was bei den Menschen? Ich bin davon überzeugt, dass dies der Fall ist. So viele und gut besuchte Proteste hat man in Deutschland und Europa schon lange nicht mehr gesehen. Man entdeckt die eigene Stimme wieder und erkennt dass diese gemeinsam auch die Politiker erreichen, scheinbar, doch dieser Schein reicht aus, um das Feuer des Aktivismus neu zu entfachen.
Unter den Protestlern mischen sich auch viele alt Eingesessene, Menschen, die man auf den meisten Demos in Hamburg sieht. Man grüßt sich im vorbeigehen und wird dann von der Menge in der Mönckebergstraße wieder weitergeschoben. Ich bekomme Gänsehaut. Die Atmosphäre ist aufgeheizt, aber friedlich, die Menschen rufen ihre Botschaft frei heraus und andere antworten ihnen. Ich beginne mein Vertrauen in Europa wieder zu gewinnen, es ist nicht nur eine Idee, die uns eint, es sind gemeinsame Interessen, die uns über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg zusammenführen.

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