Donnerstag, 8. März 2012

„Kony 2012“ - Warum gut gemeint nicht immer zwangsläufig gut sein muss

Irgendwie wird man doch täglich mit irgendwelchen brandaktuellen Nachrichten und Eilmeldungen überschüttet und natürlich war es heute auch nicht anders. Trotzdem möchte ich die aktuelle „Kony 2012“ Kampagne, die gerade aus den Vereinigten Staaten zu uns herüber schwappt, zum Anlass nehmen, um über etwas ganz grundsätzliches zu schreiben, nämlich davon, dass etwas, dass eigentlich gut gemeint ist nicht immer zwangsläufig auch gut sein muss.

Das Video, welches mir Anlass dazu gab mich mit Kony 2012 intensiver zu beschäftigen, macht sich gerade in windeseile über Facebook, Twitter & Co. breit. Als politisch interessierter Mensch kam ich natürlich nicht drum herum mir das knapp 30 minütige Video anzusehen. Eins vorab: Das Video kann sich wirklich mit einer exzellenten Regie- und Schnitttechnik rühmen!
Das Video beginnt, ganz hollywood typisch, sehr dramatisch. Dem Zuschauer wird die Geschichte eines Jungen aus Uganda, dem der Regisseur ebenda begegnete, erzählt. Der Junge, Jacob ist sein Name, berichtet in dem Video davon, wie sein Bruder von der Lord's Resistance Army (kurz: LRA) mitten in der Nacht überfallen und ermordet wurde. Daraufhin beschließt der Regisseur, der selbst einen Sohn hat, sich der Sache anzunehmen und eine Kampagne zu starten. Im Laufe des Filmes wird dem Zuschauer präsentiert, wie die Organisation, die sich „invisible children“ nennt, wächst und wächst und allmählich auch Erfolge, vornehmlich in den Vereinigten Staaten auf politischer Ebene, verbuchen kann. Schlussendlich erreicht die non-profit Organisation, dass amerikanische Truppen nach Uganda geschickt werden, um mit Waffengewalt die LRA zu zerschlagen. Doch als Folge des Eingreifens der Amerikaner taucht Joseph Kony, der Anführer der LRA, ab und ist unauffindbar. Nun wird dem Zuschauer die Strategie präsentiert, mit der ein Jeder dazu beitragen könne, Joseph Kony dingfest zu machen: „Make him famous!“ zu deutsch: Macht ihn berühmt!
Wenn jeder Mensch das Bild von Kony kenne, dann würde es für ihn unmöglich sein sich weiterhin zu verstecken.

Erst spät wurde mir bewusst, dass hinter der absolut unterstützenswerten Sache, Joseph Kony, einen Verbrecher, unschädlich zu machen, eine nicht ganz so unterstützenswerte Strategie liegt, die den meisten Zuschauern, von Emotionen geschüttelt, wohl nicht ganz bewusst werden mag. Was mich an der Organisation, zunächst einmal, objektiv stört, ist, dass sie es unterstützt amerikanisches Militär nach Uganda zu schicken um dort „aufzuräumen“. Das gesamte Video kontrastiert meiner Meinung nach zu stark zwischen „gut“ und „böse“, zwischen dem „zivilisiertem, weißen Westen“ und dem „armen, schwarzen Afrika“. Dem Zuschauer wird vermittelt, dass sich die Afrikaner niemals selbst aus dieser Misere befreien können und es westlicher, respektive amerikanischer, Hilfe bedarf, um den Menschen in Afrika zu helfen. Dort, in diesem Video, durch die gesamte Kampagne wird genau das gerechtfertigt, was die meisten westlichen Länder schon lange tun: Krieg führen unter dem Deckmantel der Humanität. Doch würden sich einige Leute mal in der Welt umschauen, mal dorthin blicken, wo ihre „Weltpolizei“ schon länger tätig ist, in Afghanistan, im Irak, dann würde Ihnen hoffentlich bewusst werden, dass es dort keinen Frieden gibt. Die im Video geforderte „Army of Peace“ wird genau das erreichen, was die ganzen anderen Einsätze der Amerikaner vorher auch erreicht haben: Krieg, Leid, Tod.
Die Leute werden nicht dazu angehalten nachzudenken, von ihnen wird lediglich bloßer Hass gefordert, es wird in perfider Weise mit Emotionen gespielt und nur wenige kommen dazu nach dem Video ein wenig weiter zu recherchieren und herauszufinden, dass „Kony 2012“ auch von anderen non-profit Organisationen bereits mehrfach kritisiert worden ist, vor allem bezüglich des Umgangs mit den Spendengeldern, wovon nur zirka 30 Prozent in humanitäre Hilfe in Uganda fließen, der Rest wird genau dafür ausgegeben, was wir gerade erlebt haben: Aufwändige Werbevideos.

Ich finde es schade und gefährlich, dass der gute Wille der Leute, etwas in der Welt zu verändern, derart benutzt wird, um eigene Interessen durchzusetzen. Ich bin absolut davon überzeugt, dass es Protest gegen jede Form von Ungerechtigkeit geben muss, aber genau diese Einstellung, die auch viele, viele andere Menschen teilen, wird viel zu oft dafür benutzt, um an ihr Geld zu kommen und andere Ziele zu verfolgen, die mit Frieden und Gerechtigkeit in der Welt, wenig zu tun haben.


Freitag, 2. März 2012

„Gütesiegel erster Klasse“ - Die Idee eines geeinten Europas und ihre Wirklichkeit

Europa kennt keine geographischen Grenzen, Europa ist eine Idee und jeder, der diese Idee teilt, ist Teil Europas.
Hört sich doch äußert blumig an das Ganze. Europa als Idee, als Vision, als Friedensunion, die ihren Bürgern Wohlstand, Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt sichern soll. Doch die Realität sieht leider anders aus. Ganz anders.

Der Grund, warum die Menschen so wenig vertrauen in „ihre“ Union des Friedens und des Fortschritts haben liegt nicht zuletzt darin, dass viele Menschen der Ansicht sind, dass nicht die Völker in Europa herrschen, sondern Lobbyisten und Politiker. Und sind diese Ansichten tatsächlich so abwegig?
In Serbien jubelten die Menschen angesichts der Botschaft aus Brüssel: Serbien ist nun offiziell Beitrittskandidat. In Zeiten der Wirtschaftskrise verspricht es den Serben vor allem eins: Ein Gewinn an Vertrauen der Investoren in Serbiens Wirtschaft. Es ist auf der einen Seite verständlich, dass sich die Menschen angesichts der Krise nach Sicherheit sehnen, doch auf der anderen Seite.. entspricht dies wirklich dem europäischem Geist, der europäischen Idee? Ein Gütesiegel für ausländische Investoren? Nicht mehr, als so etwas wie der TÜV der Wirtschaft? Ironischerweise hinkt dieser Vergleich nicht einmal sonderlich. Die deutsche Regierung herrscht mit eiserner Hand über Europa, treibt den Sozialabbau in krisengeschüttelten Ländern voran und spielt den Banken direkt in die Hände. Und nicht nur die deutsche Regierung ist es. In dieser Hinsicht besteht schon seit langem ein Konsens innerhalb der EU.

Also sind wir, oder vielmehr unsere Vertreter, gerade dabei die noble Idee eines geeinten Europas in eine pervertierte Form einer Wirtschaftsunion zu verwandeln? Diese Frage stelle ich mir angesichts der neuesten Entwicklungen in letzter Zeit immer häufiger. Die Antwort ist nicht schwer zu finden, sie wurde uns in den letzten Jahren schließlich häppchenweise zugeführt. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich die Menschen über ihre Politiker massenweise erbrechen werden. Ich glaube an ein geeintes Europa, ich glaube an diese wunderbare Idee und deshalb werde ich nicht dabei zusehen, wie diese Idee langsam zugrunde gerichtet wird. Es ist an der Zeit für einen Umbruch zu sorgen, für eine volksherrschaftliche Neugründung der Europäischen Union, eine Union in der sich Europas Menschen zu Hause fühlen, die sie stützen und für die sie eintreten und die sie gegen ihre Feinde verteidigen. Es ist an der Zeit, dass wir endlich auf die Straßen gehen und unser Recht fordern, dass wir das fordern, was uns schon in der Geburtsstunde der Europäischen Union versprochen und bis heute vorenthalten wurde.